Außergewöhnliche Belastungen (Checkliste)

Erfahre hier, welche Kosten du in deiner Steuererklärung als außergewöhnliche Belastungen absetzen kannst.

Alle beruflichen Aufwendungen kannst du in der Steuererklärung als Werbungskosten absetzen. Private Ausgaben, die dir zwangsläufig entstehen, können beim Finanzamt als außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung angegeben werden. Welche Ausgaben das Finanzamt anerkennt, erfährst du hier.

👩‍⚕️ Krankheitskosten

Aufwendungen für Medikamente, Heilpraktiker, Akupunktur, Brille, Kontaktlinsen oder Hörgeräte und Rezeptgebühren können als außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung angegeben werden. Manchmal erkennt das Finanzamt die Belastungen nicht an. Damit deine Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen abgezogen werden können, müssen sie dir zwangsläufig entstehen. Außerdem muss die Belastung außergewöhnlich sein. Sie darf also nicht jeden gleichermaßen treffen. Deswegen ist deine Miete beispielsweise keine außergewöhnliche Belastung 😉

Grundsätzlich gilt, dass Ausgaben und Belastungen, die im Rahmen einer gesicherten Krankheit entstehen, als außergewöhnliche Belastung anerkannt werden. Präventive, gesundheitsfördernde Maßnahmen werden vom Finanzamt nicht anerkannt. Die Differenzierung ist komplex und muss beim Finanzamt oft nachgewiesen werden.

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👨‍🍳 Kosten für Pflege

Für Steuerpflichtige, die Angehörige pflegen gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: In der Steuererklärung können die tatsächlichen Kosten der Pflege angegeben werden. Die andere Möglichkeit ist, den Pflege-Pauschbetrag zu beanspruchen. Dafür müssen keine Belege eingereicht werden. Die Höhe des Pflege-Pauschbetrags liegt bei 924 € und wird zwischen allen Pflegenden aufgeteilt. Zur Beantragung des Pflege-Pauschbetrags muss die pflegende Person mindestens Pfegestufe 4 oder einen Behindertenausweis mit Kennzeichnung der Hilfsbedürftigkeit „H” besitzen. Außerdem muss die Pflege unentgeltlich in deiner Wohnung oder der Wohnung der gepflegten Person stattfinden.

Auch die Ausgaben für die Unterbringung in einem Pflegeheim oder für einen ambulanten Pflegedienst können in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastungen angegeben werden, wenn der Pflegesituation eine Krankheit zugrunde liegt. Als Nachweise akzeptiert das Finanzamt den Nachweis der Pflegekasse, den Pflegegrad des MdK oder den Behindertenausweis mit der Kennzeichnung „H” oder „Bl”.

💰 Unterhalt

Durch Unterhalt wird die Existenz eines Angehörigen sichergestellt. Neben Kindesunterhalt gibt es außerdem Ehegattenunterhalt oder auch Elternunterhalt. Kindesunterhalt ist grundsätzlich nicht als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzbar, solange die Eltern Kindergeld oder den Kinderfreibetrag erhalten. Nur Kindesunterhalt an Kinder, für die kein Kindergeld oder Kinderfreibetrag mehr zusteht, kann abgesetzt werden.

Elternunterhalt hingegen kann als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgesetzt werden, wenn der bedürftige Elternteil weniger als 624 € pro Jahr eigene Einkünfte und kein eigenes Vermögen besitzt. Ehegattenunterhalt kann nach dem sogenannten Realsplitting steuerlich abgesetzt werden, wenn die begünstigte Person den Unterhalt versteuert.

⛪️ Beerdigung

Die Kosten der Beerdigung eines Angehörigen kannst du als außergewöhnliche Belastung absetzen, wenn das Erbe die Ausgaben nicht deckt. Dazu gehören alle Aufwendungen im unmittelbaren Zusammenhand mit dem Tod des Angehörigen, wie Todesanzeige, Bestattung, Trauerfeier, Grab, Blumen, oder Sterbeurkunde.

🌪 Katastrophenschäden

Menschen, die durch eine Naturkatastrophe, wie Flut, Sturm, Erdbeben, Hagel oder Feuer betroffen sind, entlastet der Staat durch Anerkennung der außergewöhnlichen Belastung. Dazu gehört auch die Widerbeschaffung von Haushalt und Kleidung, jedoch nicht die von Vermögensgegenständen.

Was ist die zumutbare Eigenbelastung?

Die oben genannten außergewöhnlichen Belastungen können nur steuerlich wirksam werden, wenn die Grenze der sogenannten zumutbaren Eigenbelastung überschritten wird. Anhand dieser Grenze wird gesetzlich entschieden, bis zu welchem Betrag dir die Belastung noch zugemutet werden kann und ab wann sie abgezogen werden kann.

  • Bei einem Gesamtbetrag der Einkünfte unter 15.340 € beträgt die zumutbare Belastungsgrenze für Unverheiratete ohne Kinder 5 % , für Verheiratete 4 %. Bei bis zu zwei Kindern fällt die Grenze auf 2 %, bei drei oder mehr Kindern auf 1 % des Gesamtbetrags der Einkünfte.
  • Bei einem Gesamtbetrag der Einkünfte zwischen 15.340 € und 51.130 € beträgt die zumutbare Belastungsgrenze für Unverheiratete ohne Kinder 6 % , für Verheiratete 5 %. Bei bis zu zwei Kindern fällt die Grenze auf 3 %, bei drei oder mehr Kindern auf 1 % des Gesamtbetrags der Einkünfte.
  • Bei einem Gesamtbetrag der Einkünfte über 51.130 € beträgt die zumutbare Belastungsgrenze für Unverheiratete ohne Kinder 7 % , für Verheiratete 6 %. Bei bis zu zwei Kindern fällt die Grenze auf 4 %, bei drei oder mehr Kindern auf 2 % des Gesamtbetrags der Einkünfte.

Wann kann ich außergewöhnliche Belastungen geltend machen?

Die Aufwendungen für außergewöhnliche Belastungen kannst du in dem Steuerjahr in der Steuererklärung angeben, indem sie entstanden sind. Eine Verteilung über mehrere Jahre ist nicht möglich. Eine Besonderheit gilt bei Krankheitskosten. Eine Erstattung von deiner Krankenkasse musst du in deiner Steuererklärung angeben, auch wenn du diese erst im Folgejahr erhältst.

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