Die größten Steuermythen - Was ist wirklich dran?
Die größten Steuermythen - Was ist wirklich dran?
Die größten Steuermythen - Was ist wirklich dran?
☝️  Allgemeines

Die größten Steuermythen - Was ist wirklich dran?

Pascal Eckel
Pascal Eckel · Aktualisiert am 22.06.2022 · 8 min Lesedauer
Steuer-Experte

Diese Irrtümer haben wir doch alle schon einmal gehört 🙄 Wenn du einmal eine Steuererklärung abgibst, dann musst du immer eine abgegeben. Oder, dass du deine Werbungskosten 1:1 komplett erstattet bekommst. So ganz stimmen diese Aussagen nicht, aber ein bisschen Wahrheit findet sich hier und da. Wir machen den Faktencheck! Also los geht‘s 🏃‍♀️🏃🏃‍♂

Jeder in Deutschland muss eine Steuererklärung abgeben!

An der Aussage ist natürlich nichts dran 😅 Nicht alle müssen eine Steuererklärung abgeben. Es gibt jedoch bestimmte Personengruppen die dazu verpflichtet sind. Das Finanzamt unterscheidet zwischen der sogenannten Pflichtveranlagung und der Antragsveranlagung. Die Antragsveranlagung gibt Arbeitnehmer:innen die Möglichkeit eine Einkommensteuererklärung freiwillig abzugeben. Und das sollte auch jede:r machen, um steuermindernde Aufwendungen geltend zu machen. Bei der Pflichtveranlagung gibt es keinen Spielraum. Ansonsten drohen eine hohe Verspätungszuschläge vom Finanzamt ☝️

Pflichtveranlagung – In diesen Fällen musst du deine Steuererklärung einreichen:

  • 💰
    Du bekommst Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld I, Krankengeld, Elterngeld, Mutterschaftsgeld oder Kurzarbeitergeld.
  • 💼
    Du hast mehrere Jobs nebeneinander und unterliegst der Steuerklasse 6.
  • 🏘
    Du vermietest Immobilien und Grundstücke.
  • 🎡
    Du betreibst ein Gewerbe oder bist selbständig.
  • 🙅‍♀️
    Du hast keine Steuern für deine Kapitalerträge gezahlt.
  • 👵
    Du bist im wohlverdienten Ruhestand und erhältst Rente.
  • 🤌
    Du hast Verlustvorträge geltend gemacht.
  • 👩‍❤️‍👨
    Du bist verheiratet, hast die Steuerklasse 3, dein:e Partner:in hat die Steuerklasse 5 und beide arbeiten.
  • 😡
    Du wurdest vom Finanzamt dazu aufgefordert.
  • Einmal Steuererklärung, dann immer wieder?

    Die Frage aller Fragen: Wird die Steuererklärung nach der aller ersten Abgabe zur Pflicht? Das ist totaler Quatsch!

    Nur weil du jetzt einmal eine Erklärung abgegeben hast, musst du das nicht jedes Jahr tun. Es sei denn, du bist, wie vorher erwähnt, tatsächlich zur Abgabe verpflichtet. Es ist dir jedes Jahr selbst überlassen, ob du das Geld, welches dir rechtmäßig zusteht, dem Staat schenken willst oder ob du es dir zurückholst 😉

    Steuererklärung? Das lohnt sich doch nie im Leben!

    Die ehrliche Antwort ist: Es kommt drauf an. Bist du zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass eher minimale Erstattungen oder Nachzahlungen auf dich warten. Das Finanzamt fordert dich ja nicht grundlos auf, die Steuererklärung abzugeben. Das Finanzamt will – zur Überraschung aller – Geld von dir...

    Anders ist das bei der freiwilligen Abgabe der Steuererklärung 😯 Wenn du noch keine Steuererklärung abgegeben hast und das Finanzamt dich noch nicht zur Abgabe aufgefordert hat, dann kannst du ziemlich sicher sein, dass du regelmäßig bares Geld verschenkst. Jede:r Arbeitnehmende kann laufende Kosten des Alltags von der Steuer absetzen - egal welcher Beruf, welche Branche oder welches Geschlecht. Schon alleine deine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung machen einiges aus. Oder denk nur an die täglichen Fahrten zur Arbeit oder das monatliche Ticket für Bus und Zug. Das alles ist von der Steuer absetzbar.

    Laut dem statistischen Bundesamt lag die durchschnittliche Rückerstattung der deutschen Bürger:innen bei sage und schreibe 1.072 € 💰 Und nur bei 9 % der Betroffenen fiel die Rück­zahlung geringer als 100 Euro aus.

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    Gibt es die perfekte Steuerklasse?

    Bei der Steuererklärung spielt die Steuerklasse eigentlich gar keine Rolle 😅 Wusstest du, das die Steuerklassen nur eine Auswirkung auf die Abzüge von deinem Bruttolohn pro Monat haben. Wenn du am Ende eine Steuererklärung abgibst, dann gleicht sich das alles aus. Im Endeffekt gibt es also gar keine bessere Steuerklasse. Aber sie haben ihre Vor- und Nachteile.

    • Steuerklasse 1 ist die Standardsteuerklasse, unter die du fällst, wenn du Single bist 😎
    • Steuerklasse 2 ist Alleinerziehenden vorenthalten 👩‍👦
    • Die Steuerklassen 3, 4 und 5 stellen unterschiedliche Kombinationen für Ehepaare dar 👩‍❤️‍👩 Bei der Steuerklassenkombination 3 und 5 sind die unterjährigen Abzüge vom Lohn oft gering. Diese Kombination verpflichtet aber auch dazu, am Ende des Jahres eine Steuererklärung abzugeben. Das führt oft zu Nachzahlungen, weil der unterjährige Steuerabzug zu gering war.
    • Die Steuerklassenkombination 4 und 4 verpflichtet nicht zur Abgabe einer Steuererklärung 💁‍♀️ Wenn ihr aber freiwillig eine Steuererklärung abgebt, führt das bei dieser Kombination oft zu Erstattungen.
    • Last but not least gibt es noch die Steuerklasse 6. Diese wird dir zugewiesen, wenn du einen Zweitjob hast und verpflichtet zur Abgabe einer Steuererklärung 🧑‍💼

    Eine perfekte Steuerklasse gibt es also nicht. Sie haben alle Vor- und Nachteile für den unterjährigen Lohnsteuerabzug. Sie wirken sich aber nicht auf deine Steuererklärung aus. Dort kann es nur sein, dass es bei bestimmten Steuerklassen eher zu einer Erstattung und bei anderen eher zu einer Nachzahlung kommt.

    Du bekommst alle deine Werbungskosten immer 1:1 erstattet!

  • 🙈
    „Du bekommst deine gesamten Fahrtkosten zur Arbeit wieder von der Steuer zurück!"
  • 🙊
    „Die Kosten für die Fortbildung kriegst du mit deiner Steuererklärung komplett zurückerstattet!"
  • 🙉
    „Die Arbeitsmaterialen habe ich quasi kostenlos gekauft - ich kann es doch von der Steuer absetzen."
  • Das sind klassische Aussagen, die wir in Bezug auf Werbungskosten oft zu hören bekommen. Deine Werbungskosten werden nicht direkt zurückerstattet, sondern von deinem zu versteuernden Einkommen abgezogen. Du musst durch diese also einen kleineren Teil deines Einkommens versteuern, wodurch die Steuerrückerstattung zustande kommt.

    Ein Beispiel: Wenn du also einen Bruttolohn von 40.000 € hast und Werbungskosten von 4.000 €, fällt nur Steuer auf das Einkommen von 36.000 € an. Dann kommen noch Versicherungsbeiträge, außergewöhnliche Belastungen und gegebenenfalls noch haushaltsnahe Dienstleistungen dazu, die deine Steuerlast senken. Komplett erstattet wird davon aber leider nichts.

    Lohnersatzleistungen, wie Arbeitslosengeld oder Elterngeld, sind immer steuerfrei?

    Tatsächlich werden von sogenannten Lohnersatzleistungen keine Steuerabzüge einbehalten. Zu den Lohnersatzleistungen gehören neben dem Arbeitslosengeld I und dem Elterngeld beispielsweise auch das Kranken- und Kurzarbeitergeld.

    Ist das also alles steuerfrei? Leider nein 👎 Diese Leistungen unterliegen dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Sie sind selber zwar nicht steuerpflichtig, werden aber zur Berechnung deines Steuersatzes in deine Einkünfte mit einbezogen. Das erhöht dann doch die Steuerlast, was zu Nachzahlungen führen kann. Übrigens musst du eine Steuererklärung abgeben, wenn du im Jahr mehr als 410 € Lohnersatzleistungen erhalten hast.

    Hast du alles gewusst?

    Nein? Nicht schlimm, jetzt weisst du's! Unser Steuerbot-Ratgeber führt dich leicht und verständlich durch verschiedene steuerliche Themen: Viele praktische Tipps und alles, was du über Steuern wissen musst 🤓 Damit auch du zu einem echten Steuerfuchs wirst 🦊

    Spoiler: Auch wenn es sich um vermeintlich trockene Steuer-Themen handelt, die Artikel sind locker und mit Witz geschrieben und machen echt Spaß zu lesen 🕺 Also schau gerne vorbei!


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